Finger weg von Legal Highs!

Der Drogenmarkt ändert sich gerade rasant, viel schneller als es in der Geschichte der Rauschmittel bisher beobachtet werden konnte. Über die Medien kam es zu einer umfangreichen Aufklärung über "Crystal-Meth" und die Öffentlichkeit ist zu großen Teilen sensibilisiert. "Wir dürfen den Blick deshalb nicht für andere Drogen verlieren", warnt Christian Fenn von der Drogenhilfe KIDRO e.V., "während im Landkreis Bad Kissingen der Konsum von Crystal-Meth im Vergleich nur langsam zunimmt, werden wir gerade von sogenannten Legal Highs überrollt."

Daher warnte der Arbeitskreis Prävention im Landkreis Bad Kissingen bereits vor einem Jahr vor dem Konsum sogenannter "Legal Highs". Das sind neue Drogen, die derzeit über das Internet bestellt und mit der Post geliefert werden. Häufig werden sie als Kräutermischungen oder Badesalze angeboten. Die Begrifflichkeiten täuschen dabei gewaltig, denn die Wirkstoffe sind keinesfalls harmlos, sondern häufig synthetische Cannabinoide oder Kathinone. Ihr Wirkpotential ist meistens weitaus höher und somit auch gefährlicher als bei ihren natürlichen "Verwandten". Darüber hinaus führen scheinbar gleiche Bestellungen desselben Produkts immer wieder zu völlig unterschiedlichen Wirkstoffen und Stärken. "Ein verantwortungsvoller Konsum, wie er beispielsweise bei Alkohol zumindest möglich ist, kann hier ausgeschlossen werden", betont Rabea Daniel von der Kommunalen Jugendarbeit. "Es sollte uns zu denken geben, dass die meisten Heroinabhängigen sich von diesen scheinbar harmlosen Drogen distanzieren, weil ihnen Wirkung und Gefahr zu groß erscheinen", berichtet Fenn aus seiner Arbeit.

Viele "Legal Highs" fallen derzeit noch nicht unter das Betäubungsmittelgesetz, weshalb ihr Besitz zu Teilen noch nicht strafbar ist. Konsumenten verharmlosen die Stoffe daher als legal. "Legalität darf aber nicht zum Kriterium für die Gefahr eines Stoffes verwendet werden", warnt Fenn. Auch im Landkreis Bad Kissingen kommt es deshalb regelmäßig zu Notarzteinsätzen, Krankenhausaufenthalten und psychotischen Episoden der häufig jugendlichen Konsumenten. Letzte Woche vermeldete der Landkreis Bad Kissingen seinen ersten Todesfall.

Dabei haben Eltern selten eine Ahnung vom Verhalten ihrer Kinder. Die ungewöhnliche Lieferung der Stoffe führt nicht zu einem wahrnehmbaren Kontakt der Jugendlichen in die Drogenszene. Die Konsumenten sind häufig ganz normale Jugendliche mit ihren alterstypischen Sehnsüchten. "Eine ganze Industrie hat sich darauf spezialisiert, die Erfüllung dieser Sehnsüchte zu versprechen und unsere Kinder als Kunden anzuwerben", berichtet Rainer Müller vom Gesundheitsamt Bad Kissingen.

Der Arbeitskreis Prävention warnt daher noch einmal eindringlich vor dem Konsum von Legal Highs, egal ob sie als Kräutermischungen, Badesalze, Pflanzendünger, Felgenreiniger oder ähnliches erworben werden. "Eltern sollten hier null Toleranz zeigen und sich nicht auf Diskussionen einlassen", bekräftigt Rabea Daniel, "hier sollte ein eindeutiges Verbot gelten!".